Case Study Assessment Center Beispiel Bewerbungsbrief

Case Study Beispiel Consumer Goods: Boy's und Girl's Windeln

Der folgende Case aus dem Bereich Consumer Goods stammt aus einem Vorstellungsgespräch bei der Boston Consulting Group. Wir bieten dir diese Case Study auch als Download an.

Brainteaser - Denksportaufgaben im Bewerbungsgespräch

Die Case Study:
Unser Klient, ein großer Konsumgüterproduzent, brachte vor einigen Jahren Boy's & Girl's Windeln auf den Markt. Marktforschungsergebnisse zeigten, dass die Konsumenten, vornehmlich Mütter, sehr angetan waren vom neuen Produkt. Dennoch wurden die Boy's & Girl's Windeln zugunsten von Unisex-Windeln wieder eingestellt. Wie erklären Sie sich das?

Der Lösungsweg gibt in erster Linie einen Einblick in den Ablauf eines typischen  Case Interviews  bei Unternehmensberatungen. Es gibt nie eine einzige richtige Antwort – der Weg ist das Ziel. Mach dir Gedanken, wie du an die Fallstudie herangegangen wärst, bevor du dir die Lösung am Ende der Seite ansiehst.

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Case Study Beispiel: Strategie zur Lösung

Natürlich fehlt dir hier eine Vielzahl an Informationen. Es wird nicht von dir verlangt, mit detailliertem Wissen über die verschiedensten Märkte, Produkte und Unternehmen ins Gespräch zu gehen. Was von dir gefordert wird ist, dass du weißt, an welchen Stellen dir Informationen fehlen, und dass du gezielt nach diesen fragst, um den Case zu lösen.

Um strukturiert zu analysieren, wo die Ursache des Problems liegt, eignet sich das Konzept der Value Chain nach Porter. Die Value Chain Analyse untersucht – wie der Name schon vermuten lässt – die Prozesse entlang der Wertschöpfungskette. Du analysierst also die Prozesse Beschaffung, Produktion, Marketing & Vertrieb, Distribution und Service. Lass den Interviewer deinen Gedanken folgen: 

- "Um herauszufinden, warum die Boy's & Girl's Windeln vom Markt genommen werden mussten, möchte ich gerne eine Analyse der Wertschöpfungskette durchführen. Ich möchte die Prozesse für Boy's & Girl's Windeln miteinander vergleichen, um zu sehen, in welchem Unterschied der Problemfaktor liegt."

Entlang der Wertschöpfungskette

Du überlegst einen Moment, und fragst dich, ob für Boy's & Girl's Windeln anderes Material beschafft werden muss als für Unisex-Windeln. Du fragst den Interviewer:

– "Liege ich richtig in der Annahme, dass für Boy's & Girl's Windeln dieselben Rohstoffe wie für Unisex-Windeln beschafft werden müssen? Im Beschaffungsprozess gibt es doch keine Unterschiede, richtig?"

– "Richtig, der Beschaffungsprozess ist derselbe geblieben. Der Produktionsprozess ist natürlich verändert worden, um die Differenzierung der Windeln zu ermöglichen. Doch es sind keine nennenswert höheren Kosten angefallen, so dass wir auch diesen Bereich ausklammern können. Auf welchen Bereich würden Sie Ihre Betrachtung weiter fokussieren?"

Dir bleiben die Bereiche Marketing & Vertrieb, Distribution und Service. Da der Interviewer bereits in der Eingangsfrage erwähnt hat, dass die neuen Produkte von den Kunden akzeptiert worden sind, kann es sich auch nicht um ein Marketing-Problem handeln. Auch den Service würdest du ausschließen, denn Windeln sind ein Produkt, bei denen es weder Garantie gibt noch ein aufwändiges After-Sales-Marketing notwendig ist, wie zum Beispiel bei teuren Gütern wie Autos.

- "Marketing-Probleme scheint es nicht gegeben zu haben. Wie Sie bereits sagten, stieß das neue Produkt auf Akzeptanz bei den Konsumenten, da die geschlechtsspezifischen Windeln tatsächlich einen Mehrwert erzeugt haben. Auch den Service-Bereich halte ich nicht für relevant. Ich möchte daher die Distribution genauer betrachten."

Durch gezieltes Nachfragen und sinnvolle Überlegungen ersparst du dir eine zu ausschweifende Analyse und vermeidest, dich zu verzetteln. Nun kannst du dich auf den Bereich Distribution fokussieren.

Case Study Beispiel Windeln: Lösung

Logistische Probleme wird es sicherlich auch nicht gegeben haben. Die Differenzierung in Windeln für Jungs und Mädchen führt nicht zu einer veränderten Packungsgröße, lediglich der Inhalt ändert sich. Die Ursache des Problems liegt im Handel: die Packungsgröße. Windeln sind sehr sperrige Produkte und Regalfläche in den Verbrauchermärkten ist knapp und somit teuer. Der Hersteller wird also – obwohl er nun zwei verschiedene Produkte anbietet – nicht automatisch die doppelte Regalfläche zur Verfügung haben. Es ist realistisch, dass er die bereits vorhandene Fläche nach Boy's and Girl's Windeln aufteilt, was bedeutet, dass von einer Produktart nur halb so viel Ware im Handel vorhanden sein kann.

- "Das Problem ist die knappe und teure Regalfläche im Handel. Gehen wir davon aus, dass der Hersteller aus Kostengründen keine doppelte Regalfläche zur Verfügung hat, so haben wir verglichen mit Unisex-Windeln jeweils nur halb so viel Ware je Produktart im Verkauf. Das Regal ist somit schneller leer. Wenn der Konsument Girl's Windeln kaufen möchte, diese aber ausverkauft sind, wird er nicht Boy's Windeln kaufen, sondern zu einem Unisex-Konkurrenzprodukt greifen. Dadurch lässt sich ein Umsatzrückgang und die folgende Einstellung des Produktes erklären."

Case Study Anschlussfrage: Marktschätzung

- "Das ist ein wirklich sehr gutes Ergebnis. Doch lassen Sie mich eine weitere Frage stellen: Wie groß schätzen Sie das Marktvolumen für Baby-Windeln in Deutschland?" 

Hier geht es wieder um eine Marktgrößenschätzung innerhalb eines Business Cases. Dies ist nicht selten, also sei flexibel und schalte schnell auf diese neue Fragestellung um! Um das Marktvolumen zu erreichen, musst du die Anzahl der jährlich in Deutschland verwendeten Windeln mit dem durchschnittlichen Preis einer Windel multiplizieren. Beide Faktoren müssen geschätzt werden:

- "Als erstes möchte ich die Anzahl der jährlich verwendeten Windeln ableiten. Dazu treffe ich folgende Annahmen:

  • Ein Baby benötigt in den ersten Monaten vielleicht sechs Windeln am Tag. Später vielleicht fünf oder auch nur vier. Ich gehe also von durchschnittlich fünf aus.
  • Ich muss wissen, wie lange ein Kleinkind Windeln trägt. Als durchschnittliches Alter, in dem ein Kind "trocken" wird, nehme ich 2,5 Jahre an.
  • Den Anteil der Altersklasse "Neugeborene bis 2,5-Jähre" schätze ich auf 2,5% der Gesamtbevölkerung und erhalte somit eine Größe von 2 Mio. (80 Mio. x 0,025).
  • Da der Anteil an Personen in Deutschland, die Stoffwindeln verwenden, eher sehr gering ist, nehmen wir weiterhin an, dass alle Babys mit Einweg-Windeln gewickelt werden."

Die Case Study Anschlussfrage: Lösung

Die Anzahl der jährlich verwendeten Windeln in Deutschland beträgt somit 3,5 Mrd. Windeln (5 Windeln pro Tag x 350 Tage im Jahr x 2 Mio. Windelträger). Um das Rechnen zu vereinfachen, ist es durchaus legitim, mit runden Zahlen zu arbeiten. Mach es dir nicht unnötig schwer, immerhin triffst du ja die Annahmen. Also 80 Mio. Einwohner in Deutschland und 350 Tage im Jahr – statt 82,x Mio. und 365 Tage.

Nun fehlt nur noch der durchschnittliche Preis einer Windel. Dieser ist gar nicht so einfach zu ermitteln, denn du musst Preisunterschiede zwischen Einzel- und Großhandel berücksichtigen, die verschiedenen Windelarten, etc. Und vermutlich hast du noch keine Kinder und hast dir noch nie Gedanken über den Preis von Windeln gemacht. Sichere dich ruhig beim Interviewer ab. Erläutern Sie, welche Faktoren du berücksichtigen musst, um den Preis zu schätzen. Schließlich schätzt du 0,30 Euro als durchschnittlichen Preis. An der Reaktion des Interviewers wirst du schon merken, wenn du dich völlig verschätzt hast.

Der Marktwert errechnet sich nun wie folgt: 
0,30 Euro pro Windel x 3,5 Mrd. Windeln = 1,05 Mrd. Euro p.a.

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©Fotolia/Photographee.eu

Die Case Study oder Fallstudie ist eine fachbezogene Analyseaufgabe im Assessment Center. Wir verraten Ihnen exklusiv, was eigentlich von Ihnen als Bewerber erwartet wird um gut zu bestehen.

Das Wichtigste in 15 Sekunden
  • Aufgabentyp: Einzel- oder Gruppenaufgabe
  • Methode: Simulation des Berufsalltags durch ein praxisnahes Problem der Branche
  • Ziel: Abfragen des Fachwissens, strategischen Denkens und der analytischen Auffassung der Aufgabe

Warum eine Case Study?

Das klassische Bewerbungsgespräch stößt methodisch an seine Grenzen: Zwar bietet es die Chance Bewerber im Gespräch näher kennenzulernen, doch fehlt im Interview die Möglichkeit die Fähigkeiten eines Bewerbers vorab zu testen. Genau dafür wurde das Assessment Center mit seinen Teilaufgaben wie z. B. der Fallstudie entwickelt. Ziel ist es im Vorfeld mehr über den persönlichen Arbeitsstil eines Bewerbers zu erfahren. Eine Fallstudie soll zeigen, wie das Entscheidungsverhalten und das strategische Denken des Bewerbers ausgeprägt sind.

Was ist eine Fallstudie?

Bei der Case Study handelt es sich um eine schriftliche Übung, die das Arbeitsverhalten der Teilnehmer simuliert. Ziel ist es, ein komplexes aber dennoch überschaubares Problem in einer vorgegebenen Zeitspanne zu lösen und im Anschluss schlüssig zu präsentieren. Personaler wollen mit dieser praxisnahen Aufgabe das fachliche Wissen und die Entscheidungsfreude von Bewerbern abfragen. Eine Fallstudie kann eine Einzel- oder Gruppenaufgabe sein.

In Fallstudien sind Bewerber häufig auf sich gestellt: Sie bearbeiten selbständig Fragestellungen, analysieren eine Problemsituation und entwickeln Lösungsalternativen. Während der Bearbeitung findet kein Austausch statt, ein Feedback gibt es erst nach der Aufgabe. Aber keine Bange, das Gute daran: Es gibt nicht die eine richtige Lösung, die Sie suchen müssen. Vielmehr geht es darum, Ruhe zu bewahren, alle Aspekte der Aufgabe genau zu berücksichtigen und sich strukturiert mit einem kühlen Kopf einen Lösungsweg zu überlegen. Ist die Case Study hingegen als Gruppenaufgabe angelegt, kommt es außerdem auf den Teamgeist und Ihre Kooperationsbereitschaft an.

Case Study: sechs Fähigkeiten auf dem Prüfstand

Im Assessment Center konzentrieren sich die Personaler meist hauptsächlich auf diese Eigenschaften, wenn sie den Bewerber und seine Bearbeitung der Fallstudie bewerten:

  • Methoden- und Fachwissen
  • Strategisches Denken
  • Analytische Erfassung der Aufgaben
  • Reduktion von Komplexität
  • Schnelle Einarbeitung in eine komplexe Management-Aufgabe
  • Entscheidungen priorisieren

 

Die Case Study: der „Cousin“ des Postkorbs

Die Fallstudie und die Postkorbübungsind eng miteinander verwandt. In beiden Fällen geht es weniger darum die eine richtige Lösung zu finden, sondern anschließend das Lösungsergebnis sinnvoll und transparent darzulegen. Ganz nach dem Motto: Vom Kopf aufs Blatt – zeigen Sie, was in Ihrem Kopf passiert und machen Sie Ihre Gedanken für die Prüfenden verständlich und sichtbar.

Profi-Tipp: Erklären Sie deshalb genau, welche Fachkenntnisse Ihnen geholfen haben, wie Sie Aufgaben priorisiert haben, wie Sie den Fokus aufs Wesentliche gelegt haben und stellen Sie gekonnt Ihre Analysefähigkeit heraus.

Sehr wahrscheinlich hat der Problemfall in der Assessment Center-Fallstudie mit einem branchenspezifischen Themengebiet zutun. Deshalb ist es sehr hilfreich, sich gut vorzubereiten. Die besten Chancen haben Sie, wenn Sie sich mit realen Herausforderungen des Unternehmens beschäftigt haben (z. B. Konkurrenzverhalten, Marketing-Strategien) und sich bestens in der Branche auskennen. Behalten Sie aktuelle Entwicklungen in der Branche im Blick – ganz leicht mit einem Google Alert oder mit Hilfe von XING News-Seiten.

Beispielinhalte für Fallstudien

In der Praxis wird zwischen längeren Fallstudien und Kurzfällen unterschieden, die in ihrem Umfang und ihrer Bearbeitungszeit variieren können.  Längere Fallstudien enthalten umfassendes Informationsmaterial zu einem komplexen Problem, während Kurzfälle aus mehreren kürzeren Problemstellungen bestehen. Je nachdem, wie streng das Auswahlverfahren und wie detailliert die Aufgabenstellung ist, kann die Case Study mehrere Stunden oder sogar bis zu einem Tag dauern. Die Aufgabenstellung kann beispielsweise die Optimierung der Abläufe in einem Hotelbetrieb thematisieren, oder die Reorganisation einer Bibliothek nach einer Budgetkürzung um 10 Prozent, oder etwa aus der Erstellung eines Marketing-Konzepts für ein Konsumgüterprodukt bestehen.

Fallstudien bilden eine gute Grundlage für Gruppendiskussionen. Im weiteren Verlauf des Assessment Centers können Fallstudien/Kurzfälle zur Diskussion einer Frage (wie z. B. „Was wären die wichtigsten Maßnahmen, um dieses Unternehmen wieder profitabel zu machen?“) mit anderen AC-Teilnehmenden herangezogen werden.

BEISPIEL KURZFALL

Bitte lesen Sie sich die folgenden Sachverhalte durch und bearbeiten Sie die jeweiligen Fragen. Für die Präsentation haben Sie sieben Minuten Zeit. Sie haben keine Hilfsmittel zur Präsentation zu Verfügung.

Kurzfall 1:

Sie sind Betriebsleiter in einem Produktionswerk. Als Sie in die Fräserei kommen, fliegt auf einmal ein Knäuel dreckige Putzwolle von hinten knapp an Ihrem Kopf vorbei. Sie drehen sich sofort um, können aber nicht feststellen, wer das Knäuel geworfen hat. Alle Mitarbeiter arbeiten und nehmen keinerlei Notiz von Ihnen.

– Wie verhalten Sie sich? Stellen Sie Ihre Vorgehensweise dar und erläutern Sie diese.

Kurzfall 2:

[„Beispielaufgabe…“]              (Vgl. Schuhmacher 2014)

Fazit

Die Fallstudie ist eine beliebte Methode, um das praktische und theoretische Wissen von Bewerbern zu überprüfen. Wie immer spielt auch hier eine gute Vorbereitung auf die Case Study eine große Rolle. Denn: Je anspruchsvoller der Traumjob ist, desto strenger ist in der Regel auch das Auswahlverfahren für Bewerber. Beherzigen Sie deshalb die folgenden Tipps:

  • Persönliche Vorbereitung zum Beispiel mit unserem Logiktest
  • Frischen Sie gegebenenfalls Ihr Fachwissen auf
  • Seien Sie ein Branchenkenner: Was News angeht, sind Sie up-to-date und kennen aktuelle Herausforderungen der Brache/des Unternehmens

Der erste Schritt in Richtung Fallstudie bestehen ist also getan: Sie wissen nun, was bei einer Case Study auf Sie zukommt. Im zweiten Schritt geht es nun um eine gründliche Vorbereitung, denn Übung macht ja bekanntlich den Meister. Befassen Sie sich mit der strategischen Realität des Unternehmens und beschäftigen Sie sich mit alltäglichen Führungssituationen. Ein fundiertes Wissen rund um branchenspezifische News gibt zusätzliche Sicherheit.

Fangen Sie jetzt damit an, als Bewerber die Position des Entscheidungsträger zu übernehmen: Üben Sie handlungs- und entscheidungsorientiertes Denken mit Hilfe unseres Tests für unternehmerische Berufe.

 

Test: unternehmerische Berufe

Bringen Sie die Fähigkeiten für einen unternehmerischen Beruf mit? Versetzen Sie sich gedanklich in die Rolle einer Führungskraft, um z. B. die Motivation von Mitarbeitern, strategisches Denken und die Bereitschaft Risiken zu übernehmen.
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Text: Anna-Carina Kruse


Service-Info: Sie möchten AC-Profi werden? Dann ist es gut genau zu wissen, welche Aufgaben und Übungen Ihnen im Assessment Center begegnen können. Lesen Sie deshalb auch die anderen Artikel zu Übungen des ACs: Logiktest, Persönlichkeitstest, Postkorbübung, Präsentation und Rollenspiel.

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